Wir verbrachten fünf Tage im und am ehemaligen Konzentrationslager Buchenwald. In dieser Zeit haben wir viele Erfahrungen gesammelt, viel erlebt und gefühlt - in diesem Artikel möchten wir euch unsere Eindrücke und Erfahrungen näher bringen.
Bereits am ersten Tag erkundeten wir das Gelände der Gedenkstätte, wobei alle durch das Eingangstor des ehemaligen Stammlagers Buchenwald gingen. Durch dieses Lagertor mussten die meisten Häftlinge das eigentliche Lager betreten. Sehr viele haben es nicht mehr verlassen. Direkt hinter dem Lagertor befindet sich der sogenannte Appellplatz, mit Sicht auf das Tor und die Inschrift „Jedem das Seine“. Auf dem Appellplatz mussten sich die Gefangen mehrmals täglich versammeln, um durchgezählt zu werden, so wurde die Anwesenheit aller Lagerinsassen überprüft. Dieser Appell dauerte unterschiedlich lang. Es gab Appelle, die bis zu 19 Stunden dauerten; 19 Stunden, ohne sich zu bewegen, sonst wurde man mit Stöcken geschlagen oder in den sogenannten „schwarzen Bunker“ gesperrt. Der offizielle Name dieses Bunkers war „Arrestzellenbau“. Der „schwarze Bunker“ war eine der schrecklichsten Folteranlangen der SS: Hier wurden Menschen teilweise über mehrere Wochen gefangen gehalten. Die Fenster waren verdunkelt, wodurch die Häftlinge ihr Zeitgefühl verloren. Außerdem waren sie ständiger Angst ausgesetzt, da sie mit der permanenten Beobachtung und Kontrolle SS-Angehöriger rechnen mussten. Der „schwarze Bunker“ endete nicht selten in Folter, willkürlicher Misshandlung und Tod.
Der Besuch der Gedenkstätte Buchenwald veranschaulichte nur mehr, wie hart und anstrengend das Leben als Häftling war. Jeder Häftling musste sich innerhalb einer halben Stunde waschen - trotz großem Gedränge. Ebenso gehörte es dazu, dass es nur warme Brühe, Brot oder ab und zu einen Löffel Marmelade zu essen gab. Nach dem Morgenappell wurde man in verschiedenste Kommandos eingeteilt (Bauabteilungen etc.), andere wiederum arbeiteten im Steinbruch. Manche Frauen wurden sogar zur sexuellen Arbeit gezwungen. Die Idee stammte von SS-Führer Heinrich Himmler und diente dazu, nicht jüdische Zwangsarbeitern oder Kapos (Häftlinge, welche Arbeitskommandos anführten oder Häftlinge, welche eine bessere Stellung im Lager hatten) einen Leistungsaufstieg zu ermöglichen. Im gesamten Häftlingsbereich kämpften die Leute oftmals um ihr Essen; so stritten manche um Schüsseln und Essen, andere verstauten sich das Essen für den morgigen Tag, um nicht zu verhungern. Manche ritzten sogar Initialien oder Sätze in ihre Schüsseln hinein, um den Schein zu wahren, dass man dennoch etwas hat, was man schlussendlich besitzt.
Nach der Ankunft an der Gedenkstätte Buchenwald und der ersten Erkundung fiel einem auf, dass so gut wie gar nichts mehr vom ehemaligen Konzentrationslager übrig war.
Das meiste war mit Pflanzen zugewachsen: die einen Orte mehr, die andern wiederum weniger. Dennoch bleibt ein Ort stark in Erinnerung: Das Krematorium. Ein Ort, der einem das Blut in den Adern gefrieren lässt, sobald man es betritt. Es liegt auf dem Häftlingsgelände etwas abseits des Appellplatzes, dennoch nicht zu übersehen mit einem riesigen Schornstein. Durch Vorarbeit kannten wir uns schon etwas aus, uns wurden Bilder gezeigt, auf denen sich die gesammelten toten Körper von Häftlingen im Vorhof befanden. Nackt, mager, entwürdigt und respektlos behandelt. Als wir den Vorhof betraten, sah man förmlich diese Situation. Keiner sprach mehr; jeder hatte Zeit mit sich selbst klar zu kommen und die Situation zu realisieren. Uns wurde auch während unserer Reise konstant angeboten, nicht an der Erkundung bestimmter Orte teilzunehmen. Nach Betreten des Krematoriums kam uns ein Seziertisch vor die Augen. Darauf folgten einige Räume wie ein Stauraum für leblose Häftlinge, ein Raum mit Waschbecken und schlussendlich ein Raum mit Öfen. Es war eine beängstigende Stille eingekehrt. Sehen konnte man ca. vier Öfen, sehr groß und geräumig. Weiter ging es mit dem Keller; auch ein Ort zum Verstauen der toten Häftlinge. Er diente nur dazu, die Leichen zu verstauen und mithilfe eines Aufzugs nach oben zu transportieren.
Die SS hatte so etwas wie eine „Müllhalde“. Dort haben sie den ganzen materiellen Müll hingeschmissen. Während der Zeit des Lagers lieferte die SS dort ihren Müll ab und nach der Zeit der Befreiung (also nach 1945), haben die Amerikaner ebenfalls „aufgeräumt“. An diesem Ort wurde sehr viel gefunden: Ganz viel Geschirr, Glas, Steinziegel und Leder (z.B. Schuhe oder selbstgemachte Stücke der Gefangenen). Wir hatten die Möglichkeit, mit einer kleinen Gruppe dort eine Ausgrabung zu machen – zum ersten mal nach drei Jahren, weil durch die Coronazeit dort niemand war. Das bedeutet, wir mussten erst ein bisschen Unkraut entfernen, damit wir überhaupt anfangen konnten. Wir als Gruppe fanden sehr viel; vieles davon sortieren wir noch vor Ort und legten es auf den entsprechenden Müllberg. Wir hatten einen Glasberg, einen Lederberg, einen Keramikberg und einen Berg, auf den Blumentöpfe und ähnliches gelegt wurden. Gegenstände mit Schriften, Zahlen, oder Markierungen haben wir mit nach oben in die Restaurationswerkstatt gebracht. An dieser Stelle möchten wir uns bei Ronald Hirte und Sophia bedanken, dass die beiden sich so viel Mühe gemacht haben, uns vor Ort zu betreuen und dass wir dort so viel machen durften. (www.stiftung-gedenkstaetten.de/team-kontakt/ronald-hirte)
Auf unserer gemeinsamen Reise hatten wir einen Tag zum Abschalten; man merkte nämlich, wie unser Wohlbefinden immer weiter abnahm. Wir fuhren nach Weimar und besuchten das Bauhausmuseum. Danach hatten wir knapp vier Stunden Zeit, um uns in Weimar umzuschauen, Vorräte aufzufüllen oder Souvenirs mitzunehmen. Am Abend war es Zeit für einen Restaurantbesuch im „El Buritto“. Traditionell veranstalteten wir einen Schärfe-Contest mit Chilis. Eine Chili hat allein schon 480.000 Scoville. Ich (Kira) blieb bei einer, doch manche schafften vier bis sechs Stück. Somit war der Abend eine nette Abwechslung zu den bisherigen Tagen.
Man lernte vieles neues und manchmal auch verstörendes, dennoch war es eine unglaublich sinnvolle Woche. Mal von den neuen Informationen abgesehen, hat man neue Freundschaften geknüpft und vielleicht auch sich selber besser kennen gelernt. Wir würden jedem diese Woche ans Herz legen, der sich mehr mit dem Thema Nationalsozialismus auseinandersetzen möchte.
Kira Stephan (Kl. 9.6) & Emilia Wulf (EF3)




















