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Our school

Eine Kleinstadt in Polen in der Woiwodschaft Kleinpolen, 50 km westlich von Krakau gelegen. Nichts deutet auf den ersten Blick darauf hin, dass nur wenige Kilometer entfernt der größte, industriell organisierte Massenmord der Menschheitsgeschichte stattgefunden hat. Der Name der Stadt: Oświęcim, zu Deutsch Auschwitz. Der Name steht unmissverständlich als Synonym für den Holocaust.

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Nach Ankunft im Hotel geht es für unsere Gruppe direkt in den historischen Ortskern. Hier besuchen wir das kleine jüdische Museum mit Synagoge – und schon hier werden wir gewahr, wie die nationalsozialistische Ideologie diesen Ort verändert hat. Vor Beginn des Zweiten Weltkriegs lebten circa 12.000 Menschen in Oświęcim, davon 7000 mit jüdischem Glauben - nach Auskunft unseres Guides sind es heute nur noch drei mit jüdischem Glauben. Anschließend erkunden wir in Form einer Stadtrallye die Historie der Stadt Oświęcim. Nach einer Feedbackrunde am Abend im Seminarraum des Hotels beenden wir den ersten Tag unserer Studienfahrt.

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Die Stadt Oświęcim hat mich auf eine Art beeindruckt, weil ich es schwierig vorstellbar fand, dass Menschen einfach so dort leben und teilweise direkt neben der Gendenkstätte wohnen. Für diese ist dies Normalität und man kann auch schließlich nicht immer trauern und gedenken, sondern muss anfangen, die Stadt abgesehen von dem zu sehen, womit sie verbunden ist.
Trotzdem gibt es klare Anzeichen für das, was geschehen ist - und das ist auch gut so.
Angekommen in Polen und schon mit der Anreise am Hotel wird man mit dem Grauen von damals konfrontiert. Doch "damals" fühlt sich diesmal gar nicht so an wie damals, sondern eher wie heute.
Die Stadt Oświęcim ist friedlich; so, dass man nicht erahnen kann, welche Unmenschlichkeit nur einige Meter weiter passiert ist.

Sarah, 19 Jahre | Q2

Unser zweiter Tag beginnt mit einem Besuch der Ausstellung des Künstlers Marian Kołodziej im Franziskanerkloster in Harmęże, einer kleinen Ortschaft, nur wenige Kilometer von Oświęcim entfernt. Franziskanerpater Marek führt unsere Gruppe sensibel und mit außergewöhnlichen Detailinformationen zu Kołodziejs Werk durch die Ausstellung, die bewusst - vom Künstler so festgelegt - in den Kellerräumen des Klosters verortet ist. Die Bilder sind von einer solch eindrucksvollen Intensität, dass durch sie wohl am ehesten, zumindest in Ansätzen nachzuempfinden ist, was Auschwitz für die Menschen bedeutete: Die Hölle auf Erden, die Apokalypse. Künstlerische Anspielungen und Zitate aus der Kunstgeschichte und der Bibel spiegeln eben diese Religiosität von Kołodziej wider, der ebenso festgelegte, dass viele Bilder nicht durch Glas geschützt und folglich der Vergänglichkeit freigegeben werden sollten. Pater Marek gibt uns etwas mit, was in den Lagern von Auschwitz über Leben und Tod entscheiden konnte: Kleinigkeiten, kleine Entscheidungen, Zufälle. Kołodziej schweigt über 50 Jahre zu seinen Erlebnissen als Häftling; erst 50 Jahre später beginnt er nach einem Schlaganfall, diese in künstlerischer Form innerhalb von 16 Jahren zu verarbeiten und somit der Nachwelt zukommen zu lassen. Die Ausstellung hinterlässt Spuren bei unserer Gruppe und lässt uns erahnen, was uns in den nächsten Tagen noch erwartet.

 

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Nach dem Frühstück ging es relativ zügig direkt zu einer Kunstausstellung eines Überlebenden des KL Auschwitz, Marian Kołodziej. Dieser hat erst viele Jahre nach seiner Befreiung angefangen, über seine Erfahrungen in Auschwitz in Form von Bildern zu berichten.
Durch die Ausstellung geführt wurden wir von Pater Marek, einem Franziskaner. Einige der Bilder haben mich besonders getroffen, da ich auch einen polnisch-religiösen Hintergrund habe.
Den gesamten Nachmittag haben wir dann in der Gedenkstätte Auschwitz verbracht, auf dem ehemaligen Lagergelände Auschwitz I. Die Eindrücke waren durch und durch intensiv und emotional.
Stark in Erinnerung geblieben sind mir die Ausstellung von Kinderkleidung und Prothesen/Krücken, die schwarze Wand, der Stehbunker und Propagandareden der ranghohen Nazis.
Meine Gedanken waren nach diesen Begegnungen sehr eingenommen und es dauerte eine Weile, bis ich wieder an andere Dinge denken konnte.
Den Tag abgeschlossen hat wieder eine Reflexionsrunde.

Gabriel, 17 Jahre | Q1

Nach einer erstaunlich erholsamen Nacht haben wir nach dem Frühstück die "Judenrampe" besucht, wo noch originale Wagons der Deportationen standen. Danach haben wir eine Kunstausstellung unter einer Kirche besichtigt, wo Pater Marek uns durchgeführt hat. Die Art und Weise, wie er das gemacht hat, hat mir sehr gefallen, da er sich nicht distanzierte von dem Thema, sondern mit großer Überzeugung und Begeisterung über das Leben des Künstlers erzählte. Die Ausstellung war groß und verwinkelt aber jedes Bild war anders. Mein persönliches Highlight von der Ausstellung waren tatsächlich die gezeichneten Augen, welche überall verteilt waren und symbolisch dafürstanden, dass man im Lageralltag immer beobachtet wurde. Was in dem Zusammenhang, dass der Künstler seine Ausstellung "die Hölle auf Erden" nannte und das Haus Gottes über dieser war, sehr zum Vorschein kam und dadurch sehr beeindruckend war.
Nach dem Mittagessen sind wir auf einen 4 1/2-stündigen Rundgang in das Stammlager zusammen mit Theresa gegangen. Dadurch das wir eine "private" Gruppe waren, hatten wir viel mehr Zeit, uns alles genau anzugucken, wofür ich sehr dankbar war, weil wir dadurch eben alles viel besser realisieren konnten. Für mich am härtesten waren die Räume mit den Gegenständen der Häftlinge, weil mir das Ganze nochmal realistischer wurde. Wo ich aber sagen muss, dass es mich wirklich emotional getroffen hat, waren die Bilder und Kleidungsstücke der Kinder, weil die Vorstellung von Kindern in KZs so surreal ist. Bedrückt sind wir wieder zurück ins Hotel gelaufen und nach dem Abendessen haben wir unseren Tag wieder reflektiert.

Emilia, 16 Jahre | EF4

Nachmittag - Besuch des Stammlagers (Auschwitz I). Was in vielen Gedenkstätten nur noch zu erahnen ist, ist hier noch vollständig von der Bausubstanz erhalten. Eine ehemalige polnische Kaserne, umgebaut zum Stammlager Auschwitz I ab dem Jahr 1940. Unsere mehr als vierstündige Führung beginnt mit der Inschrift am Lagertor, die - ihrer ursprünglichen Bedeutung entrückt – ad absurdum führt, wofür sie steht: Arbeit macht frei. In dieser Örtlichkeit führt sie vor allem zur gezielten Vernichtung von Menschenleben. Unser Weg führt uns durch ehemalige Blöcke, die zu Lagerzeiten unterschiedliche Funktionen hatten: Häftlingsunterkünfte, Lagerküche, ein im Lager gesondert abgetrennter Bereich für Frauenhäftlinge, der medizinische Block, der Bunkerblock. Die blockinternen Ausstellungen geben in Bild und Ton Zeugnis vom Lageralltag.

 

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Angefangen mit der Ausstellung von dem wundervollen Marian Kołodziej fing der Tag schon sehr anspruchsvoll an - sowohl körperlich als auch psychisch. Häufig sprechen Bilder mehr als tausend Worte, so auch bei jedem einzelnen seiner Kunstwerke.
Anschließend haben wir die sogenannte "Judenrampe" besucht und die zwei Transportanhänger angesehen. Zu wissen, dass genau darin einst wehrlose und unschuldige Menschen standen, saßen, schrien und starben, war extrem bedrückend.
Nach dem Mittagessen haben wir dann eine Rundführung durch das Stammlager Auschwitz gemacht. Obwohl es extrem spannend war und ich jede Information aufgesaugt habe wie ein Schwamm, war es erschütternd. Nicht nur die Bilder, Videos oder Zitate, sondern am allermeisten die Momente, in welchen ich stumm vor den Stacheldrahtzäunen, den Baracken oder Gaskammern gestanden habe und es mir nicht nur vorstellte, sondern die Einsamkeit, den Hunger, die Angst, den Schmerz und die Schreie sah und hörte.
Für eine kurze Zeit war ich da.

Lana, 19 Jahre | Q2

Trotz der realen, fast physischen Greifbarkeit können wir das Gezeigte nicht in Einklang mit den Informationen bringen, nicht begreifen: Die großen Vitrinen mit Tausenden von Schuhen ermordeter Menschen, mit Prothesen, Brillen, mit Koffern, mit Menschenhaar, mit hunderten Kanistern von Zyklon B. Der Arrestzellenbau mit den Strafzellen im Keller, in denen die ersten Menschenversuche mit dem Giftgas stattfanden. Die so genannte schwarze Wand, an der massenweise Exekution stattfanden. Der Krankenblock, in dem Ärzte entsetzliche Experimente zur Sterilisation durchgeführt haben. Alte Filme jüdischen Lebens vor der Besetzung Polens durch die Deutschen und Hunderte von Häftlingsfotos, aufgenommen vom Erkennungsdienst, geben den abstrakten Zahlen der Massenmorde ein Gesicht und eine Geschichte. Gedanklich und emotional bleibt viel nach den Erlebnissen dieses Tages zu verdauen; der Austausch bei unserer allabendlichen Zusammenkunft im Hotel hilft ein wenig dabei.

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Nach dem Frühstück sind wir mit dem Bus als erstes zur sog. "Alten Judenrampe" gefahren. Dort kamen bis 1944 die Transporte nach Auschwitz an.
Danach sind wir zu einem Franziskanerkloster weitergefahren, wo wir durch die Ausstellung von Marian Kołodziej geführt wurden. Mit seinen Bildern hat er seine Erlebnisse aus Auschwitz verarbeitet. Mich persönlich hat diese Ausstellung sehr mitgenommen. Die Bilder haben den Alltag im Lager sehr authentisch vermittelt und ich war vollkommen fertig, als wir aus der Ausstellung kamen.
Später sind wir zum Stammlager gefahren. Dort sind wir in die wichtigsten Barracken, wie z.B. 10 und 11 und gegen Ende der Führung auch in die Krematorien gegangen. Gerade letzteres, sowie die bekannten Berge von Schuhen, Brillen, Geschirr, Koffern und anderen Sachen war erschreckend. Allerdings konnte man keine wirkliche Nähe dazu aufbauen und alles realisieren. Das war bei der am Vormittag besuchten Ausstellung anders. Die Bilder sind mir viel nähergetreten, als der Besuch im Krematorium.
Der Nachmittag in Auschwitz I war sehr anstrengend und irgendwann habe ich alles nur noch so halb wahrgenommen. Besonders ist mir aber die Ausstellung in der letzten Baracke, welche wir in Auschwitz I besichtigt haben in Erinnerung geblieben. Dort war eine Bilderausstellung zum jüdischen Leben vor dem 2. Weltkrieg und eine Art "Galerie" von gezeichneten Bildern jüdischer Kinder, welche sehr bewegend waren.

Lina, 16 Jahre, EF1

Tag drei beginnt nach einem Frühstück mit einem Workshop im Stammlager. Hier geht es um Solidarität im Lager. Auch an dieser Stelle wird deutlich, wie sehr ein Überleben von Kleinigkeiten und Zufällen abhängig war. Nachmittags geht es in das Lager Birkenau (Auschwitz II). Die viereinhalbstündige Führung über das riesige Lagergelände wird begleitet von Kälte, ständigem Nieselregen und Nebel und lässt uns nur in Ansätzen erahnen, was die Menschen, ungeschützt von jeglichen Wetterverhältnissen, hier erdulden mussten. Fassungslos betreten wir einige Baracken, in den zeitweise 700-900 Menschen eingepfercht vegetieren mussten. Diese Baracken waren ursprünglich für ca. 50 Pferde konzipiert worden. Die Krematorien und Gaskammern waren von der SS gegen Ende des Krieges zum Teil abgebaut und anschließend gesprengt worden. Wir stehen fassungslos vor den Ruinen und können dennoch die Information nicht mit dem Gesehenen in Einklang bringen.

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Der heutige Tag war der, was die Informationsfülle betrifft, intensivste. Wir nahmen zusammen mit unseren Guides vom IBB an einer umfangreichen Führung über das Gelände von Birkenau teil. Uns wurden beispielsweise der Platz, an dem die neu angekommenen Häftlinge selektiert wurden, gezeigt, die Häftlingsbaracken, die zerstörten Gaskammern und vieles mehr. Ich glaube ich spreche für alle, wenn ich sage, dass es für uns schlecht möglich ist, vollständig zu begreifen, was an diesem Ort alles passiert ist, so surreal ist es. Einen unmittelbaren direkten Eindruck zu bekommen an dem Ort an dem so grausame Dinge passiert sind, ist viel lehrreicher als alles andere bezüglich des Themas. Ich kann diese Fahrt jedem nur empfehlen. Deswegen ist es umso wichtiger Gedenkarbeit zu leisten und aus der Geschichte zu lernen damit sich das niemals wiederholt.

Aydin, 17 Jahre | EF1

Unser Weg führt uns auch an jene Stellen, die durch die einzig erhaltenen Fotos des so genannten Auschwitzalbums von dem Vernichtung Prozess erhalten geblieben sind. Die Schwarzweiß-Bilder werden so auf eine unwirkliche Art und Weise real. In der Nähe des Krematorium IV haben Schülerinnen und Schüler unserer Gruppe eine kleine Gedenkfeier organisiert: Reihum werden Gedanken vorgelesen, die zuvor auf kleine Zettel notiert wurden. Unsere Gruppe positioniert kleine Steine um drei Kerzen im Zentrum - auch dieses Gedenken ist an diesem Ort schwer in Worte zu fassen. Der Weg zurück führt uns in eine der Kinderbaracken - und auch hier stehen wir mit vielen Informationen versorgt, aber ebenso fassungslos.
Im Bookshop versorgen wir uns mit weiterführender Literatur, vielleicht, um doch noch etwas mehr zu verstehen, nachvollziehen zu können, zu begreifen.
Die abendliche Runde bleibt wichtig, auch wenn wir nach drei ausgefüllten Tagen erschöpft und gedanklich wir emotional überladen sind.
Am nächsten Tag geht es mit dem Bus nach Krakau. Hier haben wir ein schönes Hotel im historischen Stadtkern von Kazimierz. Wir beginnen den Nachmittag mit einer Führung durch das jüdische Viertel, dem Besuch einer Synagoge, eines jüdischen Friedhofs. Auch hier wird uns wieder vor Augen geführt, was die deutsche Besatzung für Menschen jüdischen Glaubens, aber auch für die Bevölkerung von Krakau bedeutete. Am Abend geht es in ein jüdisches Restaurant mit typischen jüdischen Essen; ein Klezmer-Trio begleitet unser Essen musikalisch und lässt uns ein wenig Abstand von den Eindrücken der letzten Tage gewinnen.

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Am fünften Tag unserer Studienreise geht es noch mal in den historischen Stadtkern von Krakau. Unser Guide Magdalena bringt uns die Stadthistorie auf einem zweistündigen Rundgang näher. Hier finden wir auch originale Drehorte aus dem Film „Schindlers Liste“ - und schon wieder ist auch hier plötzlich alles sehr nah und präsent. Am Spätnachmittag geht es auf die Heimreise.
Was bleibt von den intensiven Eindrücken dieser Studienfahrt? Vielleicht, dass auch kleine, uns als unbedeutend erscheinende Situationen im Leben eine große Bedeutung bekommen können, in Worten, in Taten, in Solidaritätsbekundungen, in Empathie, in Mitmenschlichkeit. Vielleicht können wir versuchen, etwas von dem Erlebten vor Ort mit in unseren Alltag zu nehmen und kleine Situationen zu schaffen, die - von vielen Menschen gelebt - etwas viel Größeres bewirken können.
Wir bedanken uns bei unseren Begleiterinnen Theresa und Renata, die uns mit viel Feingefühl und fachlich hoch versiert durch die fünf Tage geführt haben. Wir bedanken uns ebenso bei Magdalena, unserem Krakauer Guide und dem Busfahrer Richard, der uns sicher in Polen von Ort zu Ort gefahren hat.
Letztendlich geht unser Dank an die Sparda-Bank Bochum, an die Stadtwerke Bochum, die Firma Remondis und nicht zuletzt den Förderverein unserer Schule für die finanzielle Unterstützung, die diese Studienfahrten erst möglich macht.
Wir bedanken uns auch bei einer in hohem Maße interessierten, informierten, sehr gut vorbereiteten, sensiblen wie empathischen Schülergruppe für diese intensive Studienfahrt!

Lisa Freund
Sebastian Skupnik

Weitere Informationen zu unserer Studienfahrt auf:

https://www.studienfahrtenboell.de/auschwitz-2024

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